Papst Franzskus lehnt Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare nicht mehr grundsätzlich ab. Das geht aus einer von der vatikanischen Glaubensbehörde veröffentlichten Antwort auf einen kritischen Brief von fünf konservativen Kardinälen hervor.


Papst Franziskus am 1. Oktober 2023 im Vatikan

Der Vatikan hat Antworten des Papstes auf einen kritischen Brief mit kontrovers diskutierten Fragen veröffentlicht, den ihm fünf Kardinäle geschickt hatten. Das Oberhaupt der katholischen Kirche äußerte sich etwa zu Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare und zur Rolle der Frau in der Kirche. Das sogenannte Dubia-Schreiben der konservativen Kardinäle vom Juli war am Montag publik geworden – wenig später machte die vatikanische Glaubensbehörde Franziskus‘ Antworten auf ihrer Webseite öffentlich.

In einem Dubia-Schreiben werden theologische Fragen als Zweifel formuliert, auf die der Papst üblicherweise in einem „Ja oder Nein“-Format antwortet. In dem nun bekannt gewordenen Brief, an dem auch der deutsche Kardinal Walter Brandmüller beteiligt war, wollten die Kirchenmänner etwa wissen, ob Segensfeiern für homosexuelle Paare sowie die Frauenordination weiter verboten bleiben sollen. Die Kardinäle stehen den Reformansätzen des Papstes kritisch gegenüber.

Kein klares Nein zum Segen für alle

Vor allem Franziskus‘ Antwort zu Segnungen für lesbische und schwule Paare ließ aufhorchen, denn er lehnte diese nicht grundlegend ab. Wer um einen Segen bitte, erbitte im Vertrauen auf Gott dessen Hilfe, um besser leben zu können. Man müsse daher abschätzen, ob es Formen der Segnung geben könne, ohne eine falsche Vorstellung von der Ehe zu vermitteln. Offizielle Regelungen dazu durch Bistümer oder Bischofskonferenzen lehnte der Papst aber ab. Er betonte erneut, die Ehe sei eine Verbindung zwischen Mann und Frau.

Was die Frauenordination angeht, also die Berufung von Frauen in Weiheämter, blieb der Pontifex vage. Er äußerte sich zwar nicht klar, ließ aber anklingen, dass das zurzeit geltende strikte Verbot zumindest ein weiteres Mal überprüft werden könnte.

Am Mittwoch beginnt die Weltsynode

Dass der Vatikan – und vor allem das mächtige Dikasterium für die Glaubenslehre – die Antworten des Papstes veröffentlichte, wird unter Vatikan-Kennern als bemerkenswerter Schritt gesehen. Seine Replik wurde wie der Brief im Juli verfasst. Die fünf konservativen Kirchenmänner veröffentlichten ihr Schreiben zwei Tage vor Beginn der mit Spannung erwarteten Weltsynode, die als eines der größten Reformprojekte Franziskus‘ gesehen wird.

Der Papst hatte ihnen mitgeteilt, dass es zwar nicht immer ratsam sei, an ihn gerichtete Fragen direkt zu beantworten. Angesichts der Nähe zur Synode habe er es in diesem Fall jedoch für angebracht gehalten, dies zu tun. (cw/dpa)

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